WBN-Gespräch mit der LKA-Sprecherin in Hannover

Immerhin sind schon 22 "Automatensprenger" in den vergangenen beiden Jahren in Niedersachsen aufgeflogen

Dienstag 31. Mai 2022 - Tündern (wbn). In den beiden zurückliegenden Jahren sind im Zusammenhang mit Geldautomaten-Sprengungen in Niedersachsen 22 Tatverdächtige ermittelt worden.

Dies hat die Pressesprecherin des Landeskriminalamtes (LKA) Niedersachsen Antje Heilmann heute im Gespräch mit den Weserbergland-Nachrichten.de mitgeteilt. Darüber hinaus seien weitere Tatverdächtige in anderen Bundesländern ermittelt worden. Derzeit werde geprüft, ob diese Personen einen Bezug zu niedersächsischen Taten aufweisen. Solange die Prüfungen noch nicht abgeschlossen sind, könnten hierzu noch keine Zahlen vorgelegt werden. Die Anzahl der Angriffe auf Geldautomaten hat sich wie folgt entwickelt: 2018: 54 Taten, davon 17 vollendet. 2019: 45 Taten, davon 16 vollendet. 2020: 45 Taten, davon 19 vollendet. 2021: 55 Taten, davon 27 vollendet. In diesem Jahr sind inklusive der heutigen Sprengung in Tündern bereits 33 Straftaten erfolgt.

(Zum Bild: Gesprengter Frontbereich der Sparkassen-Filiale in Tündern. Foto: Lorenz / wbn)

 

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Bei der Vorgehensweise sieht Heilmann eine Veränderung: „In der Vergangenheit leiteten die Täter vornehmlich Gas in Geldausgabeautomaten ein, um dieses im Inneren zu zünden und auf diese Art den Geldausgabeautomaten zu sprengen. Seit Sommer 2020 ist festzustellen, dass die Täter bundesweit dazu übergingen auch Festsprengstoff für ihre Taten einzusetzen. Bundesweit wurden in 2021 erstmalig mehr GAA mittels Festsprengstoff als mit Gas gesprengt.“ Und was sagt die LKA-Sprecherin zur Tätergruppe?

Heilmann: „Die Mehrzahl (60 bis 80 Prozent) der bundesweiten GAA-Sprengungen werden niederländisch-marokkanischen Gruppierungen aus dem Bereich Utrecht/ Amsterdam zugerechnet, die in unterschiedlichen Zusammensetzungen zur Begehung der Straftaten überwiegend mit hochmotorisierten Fahrzeugen nach Deutschland einreisen und danach wieder in die Niederlande zurückkehren. Diese Gruppen arbeiten hochprofessionell, arbeitsteilig und benötigen wenige Minuten zur Tatausführung. Zu den weiteren relevanten Tätergruppen werden überwiegend osteuropäische Gruppen beziehungsweise Mischgruppen aus verschiedenen Herkunftsländern gerechnet. Auch hier gibt es Gruppierungen, die hochprofessionell und erfolgreich arbeiten.“  Sie schlagen in der Nachtzeit zu - überwiegend zwischen 01:00 Uhr und 05:00 Uhr - und der Tatablauf dauert selten länger als drei bis fünf Minuten.

Und dann gibt es noch die dritte Gruppe der Nachahmungstäter gezählt, die meist im örtlichen Bereich aktiv sind. Sie würden oft über Medienberichte auf dieses Phänomen aufmerksam, erweiterten ihr Wissen mit Hilfe des Internets. Hier sei die Erfolgsquote deutlich geringer, wobei die Schäden ungeachtet dessen immens seien könnten.