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Ein Pomologe aus Bielefeld hatte den richtigen Riecher

Alter Bekannter im neuen Jahr: Der verschollene "Fürst Lippe" ist wiederentdeckt worden

Sonntag 8. Januar 2023 - Lemgo (wbn). Es ist eine der schönsten Meldungen für das Weserbergland zum neuen Jahr: Die Wiederentdeckung der verschollenen Apfelsorte „Fürst Lippe“.

Beim BUND Lemgo wurde seit gut 20 Jahren nach der Apfelsorte Fürst Lippe gesucht um die aus der lippischen Region stammende Sorte in der eigenen Streuobstwiese anzupflanzen. Der Pomologe – Obstbaukundler - H.J. Bannier aus Bielefeld hat sich nun beim BUND Lemgo gemeldet. Er hat festgestellt, dass ein bisher als unbekannt eingestufter Apfel, den er vor Jahren an mehreren Standorten in der Region gefunden und in seinem Sortengarten nach Veredlung angepflanzt hatte, völlig mit den Angaben aus der alten Literatur zur Apfelsorte „Fürst Lippe“ übereinstimmt. Dies zeigen auch erste Erträge der angepflanzten Apfelbäume.

(Zum Bild: "Fürst Lippe" hat eine neue Zukunft in Form eines Edelreisers in der Gartenbaumschule Krämer. Foto: BUND)

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Die Apfelsorte Fürst Lippe wurde erstmals vom Pomologen Dr. Eduard Lucas 1872 in den Pomologischen Monatsheften beschrieben und dort auch farblich abgebildet. Die Beschreibung enthielt die Information, dass der Apfel aus Veröcze in Slawonien stammt. Eduard Lucas, der Äpfel der Sorte aus Wien erhalten hatte, bewertete die Sorte als einen „sehr edlen Taubenapfel“.  Weitere Beschreibungen folgten bei den Pomologen Wilhelm Lauche 1883 in „Ergänzungsband Illustriertes Handbuch der Obstkunde“ und bei Theodor Engelbrecht 1889 in „Deutschlands Apfelsorten“.

Die Recherchen beim BUND Lemgo haben ergeben, dass Georg Wilhelm Fürst zu Schaumburg-Lippe (1784-1860) die am Fluss Drau liegende Herrschaft Veröcze, die rund 750 qkm umfasste, 1840 erworben hat. Diese lag in dem zu Ungarn gehörenden Königreich Slawonien, dem heutigen Kroatien.

Die Namensgebung und die Verbreitung der Apfelsorte in Deutschland und sogar in England lässt vermuten, dass die Apfelsorte in der Herrschaft Veröcze aufgefunden wurde und Gärtner oder der Fürst selbst Edelreiser nach Deutschland verbracht, Bäume veredelt und man ihr den Namen Fürst Lippe gegeben hat.

Beim Tafelapfel Fürst Lippe handelt es sich um einen Winterapfel der bis März haltbar ist. Vielleicht findet er sich irgendwann mit einem "Prinz Albrecht von Preußen" in einem Obstkorb wieder? Es ist ebenfalls ein Winterapfel. Das wäre dann ein wahrhaft fürstlicher Genuss.

Willi Hennebrüder vom BUND Lemgo hat nun Edelreiser zur Gartenbaumschule Krämer nach Detmold gebracht. Inhaber Maik Kornalewski ist hocherfreut und wird zum Erhalt der Sorte beitragen. Übrigens: Pomologe Bannier war auch schon an der Wiederentdeckung der Apfelsorte Edelborsdorfer beteiligt. Einer der ältesten Apfelsorten in Deutschland. Bannier kennt sich in der Welt der Äpfel und Kirschen aus!

 

 

 

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