Nach einer dreizehnstündigen Tarifverhandlung

Zukunftstarifvertrag für die Vorwerk Teppichwerke in Hameln: IG Metall-Mitglieder erhalten Bonus

Donnerstag 24. September 2020 - Hameln (wbn). Turbulente Zeiten bei den Vorwerk Teppichwerken in Hameln. Nach der Restrukturierung des Unternehmens konnte die IG Metall einen Zukunfts-Tarifvertrag für die verbleibenden 150 Mitarbeiter erzielen, der den Beschäftigten bis Ende 2025 Sicherheit und Perspektiven bietet.

Außerdem sollen Mitglieder der IG Metall in den kommenden Jahren einen ordentlichen Bonus erhalten. „Das zeigt: Eine Mitgliedschaft lohnt sich“, so Sabine Glawe von der IG Metall Alfeld-Hameln-Hildesheim.

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Nach einer 13-stündigen Tarifverhandlung konnte am 27. August 2020 ein Verhandlungsergebnis für die Vorwerk Teppichwerke in Hameln erzielt werden. Neben einer Sicherung der Tarifbindung, einer Standortgarantie und dem Ausschluss weiterer betriebsbedingter Kündigungen bis Ende 2025 wurde eine umfassende Weiterbildungs- und Qualifizierungsstrategie vereinbart. Der Betriebsrat hat künftig umfangreiche Mitbestimmungsrechte bei der Einstellung von Leiharbeitnehmern. Diese erhalten ab dem ersten Tag der Beschäftigung den gleichen Stundenlohn wie Festangestellte.

Investitionen am Standort sollen getätigt werden: In den kommenden Jahren werden umfangreiche und dringend notwendige Investitionen in der Höhe von 5 Mio. Euro am Standort getätigt. Die Produktion soll somit schrittweise aufgerüstet und zukunftsfähig gestaltet werden. Dies wurde vertraglich festgehalten und die Gesellschafter werden sich in Zukunft daran messen lassen müssen. Denn: die Beschäftigten bei Vorwerk beteiligen sich in den kommenden Jahren mit einem Teil ihrer tariflichen Sonderzahlung an diesen Investitionen. Als Ausgleich dafür erhalten Mitglieder der IG Metall in Zukunft einen Bonus.

Verhandlungsführer Markus Wente (33) von der IG Metall zum Tarifergebnis: „Die Forderung des Arbeitgebers war deutlich: In den Jahren bis 2022 sollten die Beschäftigten auf weit über eine Million Euro durch den Entfall von Urlaubs- und Weihnachtsgeld verzichten, um den Standort in Hameln zu erhalten. Dieser Angriff auf die Sonderzahlungen konnte teilweise abgewehrt werden, indem wir als IG Metall umfangreiche Gegenforderungen aufgestellt haben. Und das mit Erfolg,“ so Wente weiter.
„Zwar werden die Sonderzahlungen in den kommenden Jahren reduziert. Aber diese Reduzierung liegt deutlich unter der geforderten Höhe. Im Jahr 2020 werden aber zunächst keine Abstriche gemacht! Ende November kommt das volle Weihnachtsgeld, ohne 'Wenn' und 'Aber'. In den Folgejahren 2021 bis 2024 wird das Urlaubsgeld dann jedoch auf Null herabgesetzt. Der Anspruch auf das Weihnachtsgeld reduziert sich für alle Beschäftigten auf jeweils 55 Prozent des individuellen Anspruches. Zur Kompensation gibt es einen jährlichen Bonus für Mitglieder der IG Metall.“

Bonus für Gewerkschaftsmitglieder als Ausgleich: Mitglieder der IG Metall erhalten in den Jahren 2021 bis 2024 zusätzlich mit der Novemberabrechnung einen Bonus in Höhe von 600 Euro. Dieser Betrag ist tarifdynamisch. Das bedeutet, er steigt jedes Jahr um die prozentuale Erhöhung des Flächentarifvertrages.

Damit Beschäftigte ihre Mitgliedschaft nachweisen können, erhalten sie in den jeweiligen Jahren eine schriftliche Bestätigung über ihre Mitgliedschaft, die per Post zugestellt wird. Um den Bonus ausgezahlt zu bekommen, muss die Mitgliedsbescheinigung dann nur noch beim Betriebsrat oder direkt in der Personalabteilung abgeben werden.

Sabine Glawe (53), Gewerkschaftssekretärin der IG Metall Alfeld-Hameln-Hildesheim, zur Situation des Betriebes: „Die IG Metall-Mitglieder bei Vorwerk selbst sind der Erfolgsfaktor für den Tarifabschluss gewesen. Denn aus eigener Erfahrung als Betriebsrätin in einem Textilbetrieb weiß ich, dass es herausfordernd ist, in schwierigen Zeiten Perspektiven für eine Belegschaft aufzubauen. Gerade hier zeigt sich, aus der Sicht einer Gewerkschaft, dass ein guter Organisationsgrad in den Betrieben von enormer Bedeutung ist, damit wir uns gemeinsam etwa für Beschäftigungssicherung einsetzen können. Dazu gehören auch gute Qualifizierungsstrategien, damit jeder für sich eine Perspektive entwickeln kann. Denn in der Textil- und Bekleidungsindustrie ist die Zahl der Arbeitsplätze seit 1970 von 700 000 auf 70 000 gesunken. Um diesem Trend etwas entgegen zu setzen und um gute Strategien entwickeln zu können, ist der Austausch mit anderen wichtig. Deshalb laden wir mehre Male im Jahr zu einem Branchen-Netzwerktreffen ein.“

Transparenzhinweis der Redaktion: Dieser Text basiert auf einer Mitteilung der IG Metall