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Der Kommentar

Der erste Grüne bevor es die Grünen gab

Von Ralph L o r e n z

Erhard Eppler ist tot. Er war der erste „Grüne“ in der deutschen Sozialdemokratie – als es den Begriff  der Grünen noch gar nicht gab.

Das weist den Lehrer aus Schwaben mehr als alles andere als Vordenker und Querdenker aus. Ich habe ihn in der Stuttgarter Landespressekonferenz in den späten Siebziger Jahren als scharfsinnigen und vorausschauenden Kritiker der Konsumgesellschaft erlebt – damals war ich Landeskorrespondent der Esslinger Zeitung – aber auch als unbequemen aber glücklosen  Oppositionspolitiker gegen Hans Filbinger und später gegen das „Cleverle“ Lothar Späth. Dramatisch war sein Widerstand auf dem SPD-Bundesparteitag in Berlin gegen den Nato-Doppelbeschluss – in einer Redeschlacht gegen Helmut Schmidt bis in den späten Abend.

 

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Auch da war ich dabei: "Nicht jeder Sieg ist auch ein Gewinn“, hatte Eppler am späten Abend im Berliner Internationalen Concress-Centrum grinsend ausgerufen. Wie wahr.

Schmidt hatte sich gegen den Mann des linken Flügels glücklicherweise durchgesetzt. Doch Eppler hatte später mit langem Atem erfolgreich an seinem Stuhl gesägt. Verbogen hat sich Erhard Eppler nie. Und das verlieh ihm die Stärke in der Friedensbewegung und in der Bürgerrechtsbewegung.

Die SPD braucht keinen Kniefall vor Greta zu machen und hat keinen öko-philosophischen Nachholbedarf. Sie muss nur in den prophetischen Öko-Schriften von Erhard Eppler nachlesen und sich an die Nase fassen.

Das Ehrenmitglied der SPD-Grundwertekommission, ehemals auch Entwicklungshilfeminister, hat frühzeitig Europas Verpflichtungen gegenüber der Dritten Welt formuliert. Anklagend, ins Gewissen rufend. Deutlich vor Willy Brandt.

Epplers Engagement in der Evangelischen Kirche bis hin zum Kirchentagspräsident war da nur konsequent.

Einen neuen Genossen vom Format eines Erhard Eppler kann ich weit und breit nicht in der SPD erkennen. Auch wenn Zeitgenossen wie Herbert Wehner wegen der pietistisch gefärbten Grundhaltung des gebürtigen Ulmers gern über den „Pietcong“ Erhard Eppler spöttelten.

Zugegeben, der Mann mit der Baskenmütze kam zuweilen ziemlich moralinsauer daher. Gern auch in TV-Diskussionen. Aber er hat auch das gelebt was er gesagt hat. Links reden, rechts leben - das galt für die anderen.

Erhard Eppler ist tot. Die Gedanken des 92-Jährigen leben. Wir brauchen sie für unser Überleben.

 

 



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