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Die Schatzinsel - Das Musical

Der Kommentar

Wer heute Abend böllert, hat 'nen Knall

Von Ralph L o r e n z

Er hat an den Oberbürgermeister der Stadt Hameln geschrieben,  an den Landrat des Landkreises Hameln-Pyrmont, den Bürgermeister der Gemeinde Emmerthal und an den Ortsbürgermeister der Gemeinde Börry. Der langjährige Förster, Diplom-Ingenieur Karl-Heinz Strohmeyer. Es geht ihm um die „Reinhaltung des Lebensmittels Luft“ und damit um die Absage an jegliche Neujahrsknallerei. Geantwortet hat ihm nur einer – und zwar derjene, der von den genannten Personen keinen Pressesprecher, keinen Referenten, keine Sekretärin, keine üppige Bezahlung hat. Also ein Mann, der noch selbst in die Tasten haut und seine unbezahlte Freizeit opfert. Der Ortsbürgermeister von Börry, Rolf Keller.

Und der hat Verständnis für das Anliegen „seines“ Försters und Waldläufers aus Börry gezeigt und immerhin einer Reaktion wertbefunden. Man kennt sich und schätzt sich. Strohmeyer findet das traurig, dass sein Anliegen im öffentlichen Interesse und einer CO² -freien Luft  keinerlei Reaktion wert war. Von ansonsten sonntagsreden-wortgewaltigen Amtsträgern, die am Rednerpult tief Luft holen. Originalton Strohmeyer: „Noch sind wir in Mitteleuropa in der Lage, Nahrungsmittel und Trinkwasser so zu wählen, dass sie mit möglichst wenig Belastung von uns aufgenommen werden können. Nicht so beim „Lebensmittel Nummer 1“, der Luft. Sind wir doch nur wenige Minuten in der Lage, ohne Atemluft auszukommen, haben wir keine andere Wahl, als uns damit abzufinden, was sie jeweils „enthält“. Die Versorgung mit Luft scheint gewährleistet, nicht so ihre gleichfalls notwendige Sauberkeit. Während wir, die Bürger, zu Recht große Dinge von der Politik erwarten, wird gerne aus den Augen verloren, was unsere Kommunen, aber auch der Einzelne, leisten könnten.“

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Strohmeyer erinnert an die Neujahrsknallerei und schreibt weiter: „Damit einher geht leider auch, dass die Pyrotechnik weltweit in beinahe unvorstellbarem Ausmaß gezündet wird. Das bedeutet, dass wir aus Spaß und Übermut unsere Atmosphäre mehr und mehr mit CO² und anderen gefährlichen Rückständen belasten. So ist bekannt, dass bundesweit der gefährliche Feinstaub in der Luft zu ca. 7 Prozent aus dem Abbrennen von Pyrotechnik stammt. Ich möchte Sie alle dazu auffordern, einen kleinen, aber wichtigen Weg einzuschlagen. Angefangen zum Beispiel damit, dem Jahreswechsel ohne das alljährliche „Böllern“ und dem Abschießen von Raketen entgegenzusehen. In wenigen Jahren wird man kein Verständnis dafür haben, falls wir weiterhin an klimafeindlichen Traditionen festgehalten haben sollten. Mir ist aber auch bewusst, dass das Verbot von Pyrotechnik ein sicherer Weg ist, sich unbeliebt zu machen.“

Der Flame Johan Baptista van Helmont (1580–1644) hat das Kohlenstoffdioxid erstmals beschrieben und - wie bezeichnend aus heutiger Sicht - "Spiritus sylvestre" oder „Waldgeist“ genannt. Und da schließt sich der Kreis.

Um den Wald zu schützen, um unseren Kindern die Luft zum Atmen zu bewahren müssen wir den „Waldgeist“ wieder einfangen. Helmont hatte wohl die Köhler im Wald bei ihrer Holzkohlegewinnung beobachtet und bemerkt, dass beim Verbrennungsprozess Masse verlorengeht, sich „in Luft auflöst“.

Pflanzen allerdings wandeln CO² auch wieder in Biomasse um. Im Kreislauf der Natur hat das Kohlenstoffdioxid seinen angestammten Platz. Es geht eben nur um die Verhältnismässigkeit.

Und wer glaubt nicht auf die Absonderung von Kohlenstoffdioxid verzichten zu können am heuten Neujahrsabend, sollte das nicht in Form eines ins Land geschleusten unzertifizierten und oft gemeingefährlichen „Polen“-Böllers tun sondern gepflegt mit einem Sekt oder Champagner. Gern auch ein „Deinhard“ aus Koblenz am „Deutschen Eck“.

Denn da perlt stilvoll Kohlensäure (aus CO²) hoch – und wenn dann der Korken unter dem Druck des Kohlensäuregases knallt ist mir dieser Knall lieber als das Böllern und Zischen am Nachthimmel.  Mit dem angesehenen Wegeler-Clan der Deinhards habe ich übrigens zu dessen Jubiläum seinerzeit standesgemäß angestoßen. Deren traditionsreicher teutonischer Sekt aus besten Lagen war zuweilen süffiger als der Champagner. Und die Korken schossen stets umweltfreundlich in den Himmel.


 

 

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