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Der Kommentar

Das Damen-Gambit der heimischen CDU

Von Ralph L o r e n z

Die Parteifunktionäre der CDU-Kreisverbände im Weserbergland haben sich verwundert die Augen gerieben. 413 Mitglieder haben nach einer virtuellen Vorstellung der Bundestagskandidatinnen – wohlgemerkt der ersten in der Geschichte der Weserbergland-CDU -  ihre Stimme abgegeben. Das sind mehr als 30 Prozent der Mitglieder. Und das sind doppelt so viel wie beim vergangenen Mal!

Und zunächst hat es auch nicht danach ausgesehen. Vor allem vor dem im Spätjahr Corona-bedingt abgesagten Präsenztreffen als Wahlevent bei den Mittendorfs in Buchhagen. Doch was war geschehen?  Angeblich hatte sich die CDU-Spitze im Wahlkreis 46 nach einer geeigneten Kandidatin in  Hannover umsehen müssen. In Ermangelung einer Kandidatin aus dem Weserbergand. Sie sprachen die stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende im Niedersächsischen Landtag Mareike Wulf an – und das dürfte nicht ohne die Einschaltung des Landesvorsitzenden und Wirtschaftsministers Bernd Althusmann erfolgt sein. Eine Top-Frau aus dem Landtag, das hatte niedersachsenweit seinen Charme. Vor allem aber war es ein strategischer Schachzug, denn mit solcher landesweit bekannten Prominenz ist auch ein aussichtsreicher Platz im vorderen chancenreichen Feld auf der Landesliste für den Einzug in den Bundestag verbunden.

 

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Das dürften auch die CDU-Kreisverbände  Hameln-Pyrmont, Holzminden und Northeim beeindruckt haben als sie – angeblich auf Vermittlungen und Vorschlag der Bad Münder CDU-Landtagsabgeordneten Petra Joumaah – ihren Mitgliedern für die ursprünglich vorgesehene Aufstellungsversammlung am 6. November 2020 in Buchhagen eine gemeinsame Empfehlung zugunsten ihrer auswärtigen neuen Landtagserrungenschaft Mareike Wulf aussprechen wollten.

Gewissermaßen ein Selbstläufer weil ein Ein-Personen-Schachzug.

Doch es kam zunächst anders als gedacht.

Die Überraschungen hießen zum einen Corona, die als zweite Welle ins Land schwappte. Und zum anderen Lohmann.

Eine feste Hausnummer in der Region

Irmgard A. Lohmann hatte frühzeitig im Sommer ihren Hut in den Ring geworfen und somit die Frage mehr als eindeutig beantwortet wer zur 20. Bundestagswahl am 26. September 2021 antreten könnte.

Diese Frau ist im Weserbergland eine Hausnummer. Und eine Kämpferin.

Irgendwie schien das aber in Bad Münder, dem Wohnort des CDU-Kreisvorsitzenden Hameln-Pyrmont, der CDU-Landwirtschaftsministerin Otte-Kinast und der Landtagsabgeordneten Petra Joumaah nicht mehr präsent gewesen zu sein. Oder gar verdrängt worden sein?

Lohmann kommt aus dem anderen Kraftfeld der CDU im Weserbergland – aus Emmerthal.

Jetzt gab es da, wo angeblich weit und breit keine Kandidatin in Sicht war, urplötzlich zwei Bewerberinnen: Die eine, die aus ihrem regionalen Selbstbewusstsein heraus darauf bestand unbedingt gefragt zu werden und dementsprechend gegenüber dem CDU-Kreisvorsitzenden Flagge gezeigt hatte. Die andere, die von höchster Stelle weitab vom Schuss in Hannover wegen angeblicher Alternativlosigkeit gebeten wurde.

Im kandidatenpolitischen Schachspiel der drei CDU-Kreisvorstände also ein unerwartetes Damen-Gambit.

Interessanterweise fühlten sich aber viele CDU-Frauen im Kreis Hameln-Pyrmont sofort übergangen und ergriffen lautstark Partei für die heimische Favoritin aus Emmerthal. Gewissermaßen die Bauern / Bäuerinnen im Schachspiel.

Der  geschmeidige Eröffnungs-Schachzug zu Gunsten der Wunschkandidatin Mareike Wulf, mit Großmeister Althusmann  im Rücken, drohte also am Widerstand der – um im Schachbild zu bleiben - Bauern an der Basis zu scheitern. Widerstand, der auch aus dem ländlichen Salzhemmendorf zu hören war.

Und dann scheiterte auch noch der anvisierte Termin der offiziellen Kandidatenaufstellung am 6. November bei den Mittendorfs an der aktuellen Corona-Verordnung der Landesregierung. Es drohte eine schachtypische Hängepartie.

Wie im wirklichen Schach: Eine unerwartete Rochade

Plötzlich kam jedoch eine irre Dynamik ins Spiel. Im Schachspiel nennt man sowas eine Rochade. Es macht eine gute Partie aus. Mal eben die Dame rüberschieben und den Turm kraftvoll positionieren. Es war sowas wie eine lange Rochade.

Mindestens 50 Kilometer lang. Die Rochade der Dame Mareike Wulf aus Hannover nach Emmerthal-Ohr, mitten in die Bastion von Irmgard A. Lohmann. Auf sowas muss man erstmal kommen. Was bedeutet: Da sind im Hintergrund große Strategen am Werk.

Somit stand schonmal ein Sieger fest. Emmerthal selbst.

Denn die Bundestagskandidatin würde auf jeden Fall aus Emmerthal kommen.

Unverkennbar waren nunmehr beide Seiten „gut aufgestellt“. Irmgard A. Lohmann hat den Glaubwürdigkeitsvorteil als Gewächs des Weserberglandes. Als Unternehmerin, die um die Stärken und Schwächen der Region weiß, die Leute seit Jahrzehnten persönlich kennt. Vernetzt und repektiert in den kommunalen Gremien.

Mareike Wulf wiederum hatte das Weserbergland als reizvolle Wahl-Heimat entdeckt. Ein Begriff, der in seiner Doppeldeutigkeit alles abdeckt.

Gleichwohl: Sie erscheint auf den ersten Blick als die attraktivere Kandidatin. Parlamentserfahren. In der Landesspitze der CDU fest verankert.

Beide Seiten haben nunmehr gegen die Uhr gespielt, die Zeit zur filigranen Überzeugungsarbeit im Hintergrund genutzt.

Anders kann es nicht zu erklären sein, dass dem eher passiven CDU-Wahlvolk plötzlich ins Bewusstsein gerufen wurde, dass hier tatsächlich eine echte Kampfabstimmung – mehr noch – eine echte Wahl bevorstand. Sowas kommt einer Mobilmachung gleich. Und das bedeutet vor allem Kontraste.

Denn in diesem Damengambit standen sich tatsächlich Schwarz und Weiß gegenüber.

Der Schwarz-Weiß-Kontrast

So grundsätzlich unterscheidet sich das Naturell von Wulf und Lohmann: Dynamik gegen gereifte Lebenserfahrung. Wortgewandte Karrierepower gegen vitales Stehvermögen.

Die Lohmann ist eine faktenstarke Zahlen-Frau. Die Parlamentarierin Wulf eine Frau des Wortes.

Ohne Zweifel: Beide Damen sind als Kandidatin erste Wahl auf hohem Niveau. Die wirklich besten Figuren im Spiel.

Wenn da nicht der versteckte Winkelzug wäre, der jedem Schachspiel die Würze gibt. Irgendwann fiel mal die Bemerkung, der Name Wulf stehe eben für eine „strategische Entscheidung“. Das kann heißen, dass es aus regionaler und lokaler Sicht nicht unbedingt die bessere Wahl sein muss eine angesehene Kandidatin aus Hannover zu importieren. Sich aber letztlich als derjenige Zug erweisen könnte, der am cleversten ist.

Was ist wenn die Kreisstrategen im Vorstand von vornherein auf Platz und nicht auf Sieg abgestellt haben in dieser neuen Runde um die Bundestagswahl 2021?

Das Weserbergland ist eine SPD-Hochburg und der heimische SPD-Bundestagsabgeordnete Schraps unauffällig aber effizient mit bienenfleißiger Präsenz in der Region zugleich fest im Sattel.

Der Mann wird also zum harten Brocken für die Kandidatin aus dem Lager der CDU. Da ist die Absicherung über den sicheren Platz auf der Landesliste der CDU der eigentliche Königsweg. Und da macht nunmal die Fraktions-Vize aus dem Landtag in der Landeshauptstadt die bessere Figur.

Die Lehre aus dieser Aufstellungs-Partie

So könnte es also sein, dass am Wochenende in der Hamelner „Orangerie“ nicht die beste Kandidatin für die Region nominiert worden ist – aber die aussichtsreichste.

Irmgard A. Lohmann ist so gesehen eine zweite Siegerin. Aber in der Politik und bei der Kandidatenkür kann es kein Remis geben. Anders als im wirklichen Schachspiel.

Gewonnen hat auf jedem Fall die Partei: An Selbstbewusstsein. Weil die Region eigene Talente hat, die sich sehen lassen und kämpfen können. Man muss sie nur sehen wollen.

Das ist die Lehre aus diesem Damen-Gambit.

 

 

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