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Der Kommentar

Sieben Fahrgäste schützen Zugbegleiter - und noch 'ne andere Story

Von Ralph L o r e n z

Es gibt auch die guten Meldungen an diesem Sonntag. Ein 16-Jähriger ist in Delmenhorst in der Nordwestbahn bei einer Kontrolle ohne Fahrkarte angetroffen worden und hat sogleich Dominanzverhalten zeigen wollen.

Er griff den Kontrolleur herrisch am Revers, wurde also übergriffig und hat ihn beschimpft. Reue bei dem Erschleichen einer Dienstleistung sieht anders aus!  Womit der Rüpel nicht gerechnet hat: Sieben Fahrgäste sind spontan aufgestanden und haben sich dem angegriffenen Zugbegleiter schützend zur Seite gestellt.

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Die Folge: Der Angreifer hat eine Anzeige bekommen, seine Personalien wurden also festgestellt und er musste den Zug verlassen.

Was sagt uns das? Es gibt noch diese Zivilcourage, die unsere Gesellschaft in der Vergangenheit ausgezeichnet hat. Dem entgegen steht das betretene Wegschauen – oder noch schlimmer: Das Hinschauen ohne zu helfen.

Und dazu fällt mir eine Begebenheit ein, die mir mein Redaktionskollege Walter Rueb bei Gulasch mit Spätzle in der Kantine eines großen internationalen Zeitungshauses berichtet hat.

Der Mann war in Hamburg an einer Bushaltestelle. Dazu muss man wissen, Walter war damals schon deutlich über 60, beleibt und urgemütlich.

Einer aus der Schweiz, behäbiger Dialekt.

Plötzlich war er von einer Gruppe Jugendlicher umringt, die es auf sein Geld abgesehen hatten.

Klar: Die Jacke, die er trug sah nach „bessere Leute“ aus.

Sie witterten also das schnelle Geld im Vorübergehen.

Was sie nicht wussten: Walter war ein altgedienter Fremdenlegionär, in der Welt berufsbedingt viel herumgekommen, durchaus hart im Nehmen.

Dass in diesem Moment ein voll besetzter Hamburger Öffi-Bus nahte, hat die Straßenbande nicht weiter interessiert. Sie wussten, niemand würde im Moment der zu erwartenden Schlägerei aussteigen und dem einsamen Opfer helfen.

Und so war es denn auch. Doch die Gesichter der Fahrgäste wechselten von Erschrocken in ein Grinsen, in das sich bald erstaunte Schadenfreude gemischt hat.

Walter hat es den Straßenräubern, die ihn wie Wildhunde lauernd umkreisten, vor feixendem Publikum ordentlich besorgt. Mit Nasenbeinbruch und so. Sie waren von Panik ergriffen. Vor allem als er sich ihren „Chef“ als ersten geschnappt hat. Der hilflose erscheinende Alte – aus dem Nichts heraus eine Nahkampf-Maschine. Da ist dann auch das Klappmesser aus der Hand gefallen. Als die Bande geflohen war, erst dann, und wirklich, erst dann ging die Bustür auf.

Ob er denn mitfahren wolle, meldete sich eine verdruckste Stimme. Doch Walter war wieder im Ruhemodus. Nein, er fahre mit der anderen Linie, bedankte er sich höflich.

Walter rückte in Ruhe den Kragen seines Sakkos zurecht, kontrollierte das schon etwas schüttere Haar. Und der Bus mit dem Grinse-Gesichtern fuhr weiter.

 

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